Deutscher Jugendverein Siebenbürgen // Tätigkeit 2004
 


Auf der Sitzung im April  letzten Jahres habe ich kurz die Tätigkeiten des DJVS umrissen. Daran hat sich in den Grundzügen seitdem nicht vieles geändert. Die Jugendgruppen  Hermannstadt, Kronstadt, Mediasch, Klausenburg, Bistritz, Neumarkt, Schäßburg und Fogarasch setzten ihre Arbeit fort, d.h. neben regelmäßigen Veranstaltungen, wie z.B. die Proben der Volkstanzgruppen organisierten sie auch Freizeiten mit unterschiedlichen Zielen: Wanderungen, Workcamps, Seminare aller Art, je nach Ausrichtung und vorhandenen Fähigkeiten in den Jugendgruppen. Zu den genannten  Jugendgruppen konnten wir im Oktober das neu gegründete Jugendforum Heltau in den DJVS aufnehmen, das in diesem Jahr erstmalig ein Workcamp organisieren wird. Zudem liegt ein Aufnahmeantrag der Jugendgruppe „Sonnenblume“ aus Neumarkt vor, der in Bearbeitung ist.

Der DJVS als Dachverband an sich hat ebenfalls seine begonnene Arbeit fortgesetzt. Vier Jugendleiterseminare fanden auch im vergangenen Jahr statt, die das Ziel haben, den Jugendlichen Rüstzeug für ihre Arbeit vor Ort zu geben. Des weiteren hat der DJVS weitere gemeinsame Aktivitäten vorzuweisen. Dazu gehören die Organisierung und Durchführung der  Sommerakademie mit der djo in Rumänien, die Beteiligung am Birthälmer Treffen, wo wir uns im Ordnungsteam engagierten, um die Technik kümmerten und zu den kulturellen Programmpunkten beitrugen. Nach einer Auswertung unter den Jugendlichen sind wir gerne auch weiterhin bereit uns an diesem Fest zu beteiligen, wünschen uns aber eine bessere Zusammenarbeit zwischen dem Siebenbürgenforum und uns.

Auch ein siebenbürgenweites Filmprojekt wurde durchgeführt, bei dem jede Jugendgruppe ihre Stadt vorstellte sowie ein Berufsorientierungsseminar.

Als demokratischer Verein fanden im Oktober Vorstandswahlen statt. Johannes Klein und Christiane Neubert wurden in ihrem Amt bestätigt. Neu hinzugewählt wurden: Vlad Popa aus Hermannstadt als Vizevorsitzender, Veronica Popa aus Hermannstadt als Kassiererin und Ioan Arcalean aus Bistritz als Referent für Öffentlichkeitsarbeit.

Wanderungen, Seminare, Fortbildungen ... in all diesen Aktivitäten steckt unwahrscheinlich viel Enthusiasmus und ehrenamtliches Engagement. Wofür? Was bewegt die Jugendlichen zusammenzukommen und ehrenamtlich zu arbeiten?

Die meisten Menschen haben ein großes Bedürfnis nach Gemeinschaft, das ist bei Jugendlichen nicht anderes als bei älteren Menschen, wenn es nicht sogar größer ist. Jugendliche brauchen eine Gemeinschaft, in der sie sich ausprobieren können, in der sie jemand sein können, von der sie aber auch gewisse Grenzen gesetzt bekommen. Die wenigen „echt sächsischen“ Jugendlichen, die heute noch anzutreffen sind, sind verstreut im ganzen Land, ihnen fehlt die Gemeinschaft mit gleichsprachigen, auf Grund der ethnischen Zugehörigkeit ähnlich denkenden, gleichaltrigen Jugendlichen. So ist es nur verständlich, daß sie sich nach Alternativen umsehen. Die deutschsprachigen Landsleute nehmen dabei einen hohen Stellenwert ein. Durch das Erlernen der deutschen Sprache haben sie bereits ihr Interesse an der Deutschen Minderheit bekundet und damit eine Annäherung an die sächsische Welt vollzogen. Es liegt an uns, ihnen Eintritt  dahinein zu gestatten und sie zu unserer Gemeinschaft hinzuzunehmen. Das ist in den Jugendgruppen des DJVS überall schon geschehen.  Einerseits durch das Hineinnehmen unsererseits, andererseits durch ihr Interesse an der Kultur und Lebensweise der deutschen Minderheit. Diese entstandenen Jugendgruppen sind sowohl für die sächsischen Jugendlichen, als auch für die gesamte deutsche Gemeinschaft von großer Bedeutung. Zum einen ermöglichen sie einen Austausch Gleichaltriger, bei dem es uns vor allem darauf ankommt den Jugendlichen einen Rahmen zu bieten, in dem sie sich selber ausprobieren, ihre Fähigkeiten und Neigungen entdecken können und somit sich Ziele stecken können, die außerhalb des bloßen Cheffens, Rauchens und Trinkens liegen. Dazu dienen die verschiedenen Freizeiten und Seminare, bei denen die Jugendlichen gezwungen werden, selber sich an der Organisation zu beteiligen, hierin Fähigkeiten zu entdecken und zu erwerben, wobei der Inhalt der Veranstaltungen je nach Neigung des Jugendlichen oder der Gruppe gewählt werden. So herrscht beispielsweise in Schäßburg ein großes Interesse an Literatur und Journalismus, in Klausenburg setzt man auf soziales Engagement und in Mediasch nimmt das Thema Europa und Politik ein wichtige Rolle ein.

Über diesen Aspekt hinaus sind die Jugendgruppen im Kulturleben der deutschen Minderheit nicht mehr wegzudenken. Kaum ein Fest wird gefeiert, ohne das eine der 5 Tanzgruppen (Kronstadt, Hermannstadt, Bistritz, Schäßburg, Fogarasch) auftritt. Aber nicht nur die Traditionen werden fortgeführt, sondern auch das bauliche Kulturerbe durch die Jugendgruppen erhalten. Dies geschieht auf ganz unterschiedliche Weise: Tatkräftig auf Workcamps, bei denen die Jugendlichen selber anpacken und sich damit mit dem Objekt ihrer Arbeit, der Kirchenburg, des Pfarrhauses, der Jugendherberge, was immer es auch ist, identifizieren. Dabei ist die effektiv geleistete Arbeit gar nicht das Wichtigste. Wer von den Jugendgruppen Leistungen erwartet, die einer Baufirma in die Nähe kommen, wird natürlich enttäuscht werden. Ein anderer Effekt ist viel wichtiger: durch die Arbeit wird das Gebäude zu ihrem eigenen, auf das sie stolz sind und das sie auch in Zukunft, so dürfen wir hoffen, nicht dem Verfall preisgeben werden. Damit ist ein wichtiger Grundstein für das Weiterleben des deutschen Kulturgutes gelegt. Aber auch schon allein durch das Nutzen der Gebäude wird ein Same gelegt, der, wenn er aufgeht, zum Erhalt der deutschen Kultur beiträgt. Zu nennen wäre hier, daß einige unserer Jugendgruppen stark mit der Evangelischen Kirche verbunden sind. Sie bereichern den Gottesdienst durch ihre Anwesenheit, ja gestalten ihn zum Teil mit. Sie erleben den Ablauf des Gottesdienstes und fühlen sich heimisch in den großen und kleinen sächsischen Kirchen Siebenbürgens. Dies gibt doch Anlaß zu hoffen, daß sie auch in Zukunft hier zu Hause sein und soviel an ihnen liegt tun werden, um sowohl dem Gebäude, als auch dem Gottesdienst ein Weiterleben zu ermöglichen.

Auf einer unserer Tagungen haben wir uns intensiv über den Inhalt unseres Vereins Gedanken gemacht. Vieles von dem, was wir dort besprochen haben, habe ich bereits genannt, wie das Kennenlernen, die Pflege, die Erhaltung, die Vermittlung und die Aufwertung deutscher Kultur in Siebenbürgen, der Bräuche und der Lebensweise der Siebenbürger Sachsen, kurz „Kulturarbeit“, die Aus- und Fortbildungen, aber auch Partnerschaften im In- und Ausland, Soziales Engagement/Umweltschutz, die Freizeitgestaltung oder die Anschaffung diverser Ausstattungsgegenstände um die geplanten Arbeiten zu ermöglichen. Ein weiterer wichtiger Punkt, auf den wir in Zukunft einen größeren Akzent setzen wollen ist der Bereich der Wirtschaft und des Berufes. Ich zitiere aus dem Programm: „Ein großer Teil der Mitglieder des DJVS sind Schüler. Ein kleinerer Teil sind Studenten und ältere gibt es dann noch weniger. Für die Absolventen der Schulen und Hochschulen gibt es kaum interessante Programme im DJVS. Deshalb ist es für die Zukunft wünschenswert, dass der DJVS ein Programm entwickelt, das seinen Mitgliedern und Menschen in deren Umfeld Informationen vermittelt, die helfen können, ins Berufsleben einzusteigen oder eine eigene Wirtschaft zu gründen.“

An diesem Punkt sehen wir, daß etwas getan werden muß, jedoch erscheint uns dieses Gebiet zu überfordern. Jugendliche können für sich selbst diese Programme nicht entwickeln. Wer aber leitet sie an, zeigt ihnen Mittel und Wege auf? Es ist uns ein großes Anliegen, den Jugendlichen  Perspektiven in Rumänien zu eröffnen. Ihr Blick geht meist gen Westen. Gerne möchten wir ihnen zeigen, daß sie hier gebraucht werden, vielleicht als Arzt oder Krankenschwester in einem Altenheim, vielleicht als Computerspezialist, vielleicht als Küsterin in einer Gemeinde, als Buchhalter beim Forum oder als Verkäuferin im Laden nebenan – die Aufgabenbereiche in die wir uns wenn nicht sächsisches Blut, so doch deutschsprachig und ähnlich denkende Menschen wünschen sind vielfältig. Vielleicht werden die Jugendlichen uns einmal begleiten, so wie wir sie jetzt begleiten. Und da sind wir wieder bei der anfangs erwähnten Gemeinschaft angekommen:

Jugendliche brauchen Gemeinschaft. Gemeinschaft, in der sie Freiheit haben, ihren Weg zu finden, in der sie aber auch die Grenzen der Freiheit kennenlernen. Sie können dazu beitragen, daß die Jugendlichen einen Weg gehen, der in der deutschen Tradition verankert ist. Dies ist aber nur möglich, wenn sich unsere Wege nicht nur kreuzen, sondern wir ein Stück des Weges gemeinsam gehen. Die Einladung an den DJVS, Mitglied im Siebenbürgenforum zu sein und die gegenseitige Teilnahme an den Sitzungen, sind ein Schritt auf einem gemeinsamen Weg für den wir Ihnen sehr dankbar sind. Ebenso ist die gemeinsame Organisierung und Durchführung des Birthälmer Treffens ein Schritt auf diesem Weg. Wir wünschen uns noch viele gemeinsame Schritte, wir wünschen uns Ihre Unterstützung, wir wünschen uns, daß es ein Geben und Nehmen auf beiden Seiten gleichermaßen gibt.

 

 

 

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